Sonntag, 08.07.2012

Was dieses Rind wohl so aufmerksam beobachtet? Unsere Bartgeier sind es eher nicht. Gallus scheint bereits auswärts Futter gefunden zu haben und hat sich den ganzen Tag über nicht blicken lassen. Bernd fliegt, vom ausgiebigen Frühstück gestärkt, ihre morgendlichen Runden. Sie wird von den Aufwinden zwischendurch hoch hinauf getragen und verschwindet immer wieder mal hinter dem Hornigrat.

Natürlich freuen wir uns besonders, wenn die Junggeier nah bei uns vorbeifliegen. Aber wichtig ist uns vor allem, dass die beiden auf ihrem Weg in die Selbständigkeit gut voran kommen. Und das scheint bis jetzt ganz gut zu klappen.

Samstag, 07.07.2012

Das sind nasse Tage! Bernd, die jedem Wetter trotzt und auch bei Dauerregen lieber unter freiem Himmel verweilt, als sich in die gut geschützte Auswilderungsnische zurückzuziehen, hat schon ganz durchnässte Federspitzen (s. Bild). Kein Wunder widmet sich das junge Weibchen stundenlang der Gefiederpflege. Neben zwei Stunden fressen, 15 Minuten fliegen und zwei, drei "Powernaps" war dies heute die wichtigste und vor allem zeitintensivste Beschäftigung des etwas zerzaust wirkenden Junggeiers.

Freitag, 06.07.2012

Auf den spektakulären und schönen Tag gestern folgte heute ein Regen- und Nebeltag. Erst am Nachmittag hellte der Himmel etwas auf, so dass Bernd in den Horst fliegen konnte. Dort begann sie auch sofort zu fressen.

Nach langem Warten haben wir heute die ersten Daten des Senders von Gallus erhalten. Und diese haben uns auch tatsächlich enthüllt, warum wir sie während der letzten Tage nicht mehr beobachten konnten: Sie hat nämlich das Calfeisental verlassen...

Unter der folgenden Adresse können ihre Ausflüge verfolgt werden: www.bartgeier.ch/gallus (Karten auswählen)

Donnerstag, 05.07.2012

Bereits sehr früh am Morgen ist Madagaskar lange über der Auswilderungsnische gekreist und sogar kurz darin gelandet. Später ist dann auch Sardona erschienen, der vor zwei Jahren hier im Calfeisental ausgewildert worden ist.
Am Mittag dann der im Bild festgehaltene spezielle Moment: Alle drei Calfeisen-Bartgeierjahrgänge treffen sich am Ort ihrer Auswilderung! Links sitzt Madagaskar (2011), in der Mitte Sardona (2010) und rechts Bernd (2012).

Bernd hat sich von der Versammlung nicht stören lassen und den ganzen Morgen an ihrem Futterbrocken gefressen. Am späteren Nachmittag ist sie fast eine Viertelstunde über der Auswilderungsnische geflogen und dann hoch oben am Grat gelandet, um dort zu übernachten.

Mittwoch, 04.07.2012

Mehrmals kreiste heute Madagaskar, ein 1.5 Jahre alter Bartgeier, längere Zeit über dem Tal und der Aussetzungsnische. Am Nachmittag landete der Junggeier dann auf der Wiese oberhalb der Horstnische (siehe Bild).
Der sehr dunkel gefärbte Kopf ist typisch für Bartgeier in seinem Alter und signalisiert anderen Bartgeiern, dass es sich um einen Jungvogel handelt. Diese Art Narrenkappe erlaubt es Junggeiern, in besetzten Revieren auf Nahrungs-suche zu gehen, ohne zu riskieren, dabei von den Territoriumsinhabern vertrieben zu werden.

Dienstag, 03.07.2012

Nach mehreren Anläufen und vielen Flügelschlägen schafft es Bernd, von ihrem tiefer gelegenen Übernachtungsplatz bei den Alpenrosen zur Aussetzungsnische hoch zu fliegen. An einem solch nebligen und trüben Tag fehlen den Bartgeiern, und speziell den noch nicht so flugerfahrenen Junggeiern, die Aufwinde. Ohne diese wird das Fliegen für sie zu einer sehr grossen Anstrengung. Oben angekommen, hat Bernd an diversen Futterbrocken gefressen und dann den Rest des Nachmittages verschlafen.

Fotofallenbild: Bernd beim Verschlucken eines Knochens.

Montag, 02.07.2012

Nebel und Regen prägten den heutigen Tag. Erst am späten Nachmittag wurde das Wetter etwas besser, so dass wir Bernd doch noch ausfindig machen konnten (siehe Bild). Hier im Calfeisental blühen zur Zeit die Alpenrosen. Es macht fast den Anschein, als ob auch Bernd Gefallen an ihnen gefunden hat. Jedenfalls ist sie während der letzten Tage auffällig häufig in der Nähe der Pflanzen mit den rosa Blüten gelandet.

Gallus haben wir den ganzen Tag nicht gesehen. Angesichts des nicht sehr idealen Flugwetters ist sie vermutlich an ihrem letzten Übernachtungsplatz geblieben.

Sonntag, 01.07.2012

Heute morgen war wieder perfektes Flugwetter und Gallus hat sich schon sehr früh am Morgen auf und davon gemacht.

Etwas später haben wir beim Beobachtungsposten Besuch erhalten von Madagaskar, einem Jungvogel, der letztes Jahr hier ausgewildert wurde, und einem zweiten Junggeier mit einer Mauserlücke (siehe Bild). Die beiden scheinen sich sehr für uns zu interessieren, Madagaskar ist heute zum wiederholten Male sehr tief über unsere Köpfe hinweg geflogen. Ein Moment zum Staunen und Geniessen!

Samstag, 30.06.2012

Heute war sehr viel Betrieb beim Beobachtungsposten. Viele Bartgeierinteressierte nutzten das super Wetter für einen Besuch bei Bernd und Gallus. Zudem flogen mehrmals verschiedene Bartgeier und Steinadler über der Aussetzungsnische und zeigten eindrückliche Demonstrationen ihre Flugkünste.

Gallus nutzte wiederholt die Gelegenheit, mit anderen Bartgeiern zu fliegen und ihre Flugfähigkeiten zu perfektionieren. Am Nachmittag machte sie zusammen mit einem noch nicht identifizierten jungen Bartgeier einen längeren Ausflug (siehe Bild) und kam erst am Abend wieder zurück an ihren Lieblingsplatz, wo sie auch übernachtete.

Bernd ist immer noch weniger flugfreudig als Gallus, dafür hat er heute fast den ganzen Tag gefressen und so hoffentlich Energie für zukünftige Flüge getankt.

Freitag, 29.06.2012

Trotz besten Wetters haben sich die beiden Junggeier heute einen ruhigen Tag gegönnt. Während Bernd nur gerade vom Horst zu einem Futterplatz spaziert ist, ist Gallus einige Runden geflogen und schliesslich beim gleichen Futterplatz wie Bernd gelandet. Die Landung verdient sicher noch keine Stilnote 6, da muss Gallus schon noch etwas üben. Anschliessend hat sie längere Zeit gefressen und dann den Nachmittag im Gras liegend verbracht.

Die von uns ausgelegten Futterbrocken sind auch von einigen anderen Tieren entdeckt worden. Die Alpendohlen versuchen immer wieder ein paar Brocken zu stehlen, trauen sich aber nicht an das Futter, solange ein Bartgeier beim Brocken sitzt.